Elektronische Musik, um 1950 Bezeichnung für eine im Studio produzierte und auf Tonband festgehaltene Musik, deren Klangmaterial weder von herkömmlichen Musikinstrumenten, noch von auf Tonband aufgenommenen Umweltgeräuschen herstammt. Diese Bezeichnung war zusammen mit den ersten elektronischen Kompositionen ein konsequentes Produkt des damaligen musikalischen Avangardismus. Bald wurde als Klangmaterial aber alles zugelassen was sich auf Tonband aufnehmen oder mittels Tongeneratoren erzeugen ließ: Sprache, Geräusche, Nationalhymnen, Vogelgesänge, Fabriklärm, usw. Das entscheidende Kriterium für elektronische Musik war nun nicht mehr das “reine” Material, sondern die elektronische Verarbeitungsweise des Materials.

Bessere Bedeutung erlangte bald elektronische Musik “innerhalb” nichtelektronischer Vokal- und Instrumentalmusik. Mittels Tonbandgeräten wird semantisch eindeutigeres musikalische Material “zugespielt” und hierdurch die Aussage von Kompositionen verdeutlicht. Kompositionsverfahren wurden auch in der über Schallplatte verbreiteten Unterhaltungs- und Rockmusik heimisch, je mehr die Beat- und Popmusik sich an Studioproduktionsweisen orientierte. Nachdem die Tonbandmusik hinter der Live-Elektronik zurücktreten mußte, wurden die Grenzen zwischen elektronischer Musik und Musik, die auf elektronischen Instrumenten oder auf herkömmlichen “E-Instrumenten” (E-Gitarre, E-Piano) gespielt wurde, immer mehr unscharf. “Elektronisch” war, vor allem im Zusammenhang mit Popmusik, eher ein Zauberwort, das einen Verkaufserfolg sichern sollte. (Electric Jazz, Electronic Rock usw.) Heute ist der Begriff elektronische Musik ein Sammelbegriff, der ein größeres Spektrum von Kompositions- und Spielweisen umfaßt.

1. Alle Arten von Tonbandmusik, sofern es sich nicht nur um reine Collagen handelt, vielmehr das Klangmaterial elektronisch verarbeitet worden ist. 2. Vom Synthesizer produzierte oder verarbeitete Musik, sofern der Synthesizer nicht bloß wie ein E-Piano gespielt wird. 3. Elektronisch verarbeitete, auf herkömmlichen auch elektronischen Musikinstrumenten produzierte Musik, sofern die elektronische Verarbeitung als wichtiger kompositorischer Bestandteil gelten kann und nicht eine relativ äußerliche Klangverfremdung oder Klangverzerrung ist.

Nicht zur elektronischen Musik in diesem Sinne und nach heutigem Sprachgebrauch zählt Musik, die auf einem konventionellen elektronischem Tasteninstrument (E-Piano, E-Orgel, reiner Tastensynthesizer) hergestellt wird. Ebenso zählt nicht dazu Musik, die eine E-Gitarre herstellt.So verzerrt, gefiltert und rückgekoppelt der Ton hier auch sein mag, ist dies doch alles noch Bestandteil des Gitarrenspiels. Es ist gleichwohl nicht ausgeschlossen, daß die Bezeichnung elektronische Musik im Laufe der Zeit inhaltsleer wird, weil zu viele musikalische Erscheinungen durch sie erfaßt werden.